Warum 11 und nicht 7?

Das erweiterte Chakra-System im Pranic Healing

Wenn du dich bereits mit Meditation oder Yoga beschäftigt hast, sind dir die sieben Chakren vermutlich vertraut: Wurzel, Sakral, Solarplexus, Herz, Hals, Stirn und Krone. Dieses System begegnet uns überall – in Büchern, auf Bildern, sogar auf Schmuck und T-Shirts. Doch in der Praxis mit Pranic Healing arbeiten wir mit elf – manchmal sogar zwölf – Hauptchakren. Das mag zunächst überraschen. Woher kommt dieser Unterschied? Und was bedeutet er für dich?

 

Uraltes Wissen, verschiedene Wege

Die Idee von Energiezentren im Körper reicht weit zurück. Bereits in den Veden – den ältesten hinduistischen Schriften, die auf etwa 1500 bis 1200 v. Chr. datiert werden – finden sich Grundlagen für das Konzept von Prana und Energiekanälen (Nadis). In den Upanishaden (ca. 800–200 v. Chr.) werden diese Ideen weiter vertieft, und in den tantrischen Texten des Mittelalters entstehen schliesslich detaillierte Beschreibungen von Chakren als Meditationspunkten.

Interessanterweise war die Anzahl der Chakren in den verschiedenen Traditionen nie einheitlich festgelegt. Je nach Schule und Praxis wurden fünf, sechs, neun oder auch mehr Chakren beschrieben – jede Tradition mit ihrem eigenen Schwerpunkt und Zweck.

Das heute so populäre 7-Chakra-System stammt hauptsächlich aus dem Text «Sat-Chakra-Nirupana» aus dem 16. Jahrhundert, der im frühen 20. Jahrhundert durch Sir John Woodroffes Übersetzung «The Serpent Power» im Westen bekannt wurde. Dieses System wurde primär für die spirituelle Entwicklung und Kundalini-Arbeit konzipiert – eine wunderbare Grundlage, auf der das erweiterte System aufbaut.

Der Ansatz von Master Choa Kok Sui

Grandmaster Choa Kok Sui (1952–2007), der Begründer des modernen Pranic Healing, verbrachte über 30 Jahre mit der Erforschung esoterischer Heiltraditionen. Als ausgebildeter Chemieingenieur ging er dabei sehr systematisch vor: Er studierte Yoga, chinesisches Chi Kung, Theosophie, kabbalistische Lehren und verschiedene Heiltechniken – und validierte seine Erkenntnisse gemeinsam mit hellsichtigen Mitarbeitern.

1987 veröffentlichte er erstmals sein Wissen über die 11 Hauptchakren in «The Ancient Science and Art of Pranic Healing» (heute «Miracles Through Pranic Healing»). Seine Frage war praktisch orientiert: Welche Energiezentren müssen wir kennen, um den physischen Körper und das emotionale Wohlbefinden möglichst gezielt unterstützen zu können?

Die 11 Hauptchakren im Überblick

Im Pranic Healing arbeiten wir mit folgenden elf Hauptchakren. Jedes Chakra enthält dabei mehrere Prana-Farben – anders als die vereinfachte Regenbogen-Darstellung des populären 7er-Systems:

1. Kronenchakra (Sahasrara) – Scheitel; Eintrittspunkt göttlicher Energie, steuert Gehirn und Zirbeldrüse. Enthält golden und violett Prana.

2. Stirnchakra (Lalata) – Stirnmitte; Nervensystem, niedere Intuition. Enthält violett, blau und weitere Farben.

3. Ajna-Chakra – zwischen den Augenbrauen; dirigiert alle anderen Chakren, steuert Hypophyse und Augen. Enthält gelb und violett Prana.

4. Halschakra (Vishuddha) – Kehlkopf; Schilddrüse, Kommunikation, Kreativität. Überwiegend blau Prana mit grün und violett.

5. Herzchakra (Anahata) – Brustmitte; Herz, Lunge, Thymusdrüse, Sitz von Liebe und Mitgefühl. Enthält golden und rot Prana. Hat Front- und Rückaspekt.

6. Solarplexuschakra (Manipura) – unter dem Brustbein; Verdauungsorgane, Sitz der niederen Emotionen. Enthält rot, gelb, grün und blau Prana. Hat Front- und Rückaspekt.

7. Milzchakra – linke untere Rippe; Haupteintrittspunkt für Luftprana, verteilt Energie an alle anderen Chakren. Enthält alle sechs Farbpranas. Hat Front- und Rückaspekt.

8. Nabelchakra – auf dem Nabel; Darm, allgemeine Vitalität, produziert «synthetisches Chi». Enthält gelb, grün, blau, rot und violett Prana.

9. Meng-Mein-Chakra – Rücken auf Nabelhöhe; «Pumpstation» für aufsteigende Energie, steuert Nieren, Nebennieren und Blutdruck. Überwiegend orange Prana mit rot.

10. Sexchakra (Swadhisthana) – Schambereich; Geschlechtsorgane, Blase, unteres Kreativitätszentrum.

11. Basischakra (Muladhara) – Steissbein; Wurzel unserer Vitalität, steuert Knochen, Muskeln, Blutbildung. Enthält rot und orange Prana.

Da Herz-, Solarplexus- und Milzchakra jeweils einen Front- und einen Rückaspekt haben, arbeiten wir in der Praxis sogar mit 14 Energiezentren.

Und dann ist da noch das 12. Chakra...

In seinem späteren Werk «Achieving Oneness with the Higher Soul» beschreibt Master Choa Kok Sui ein weiteres Chakra: das 12. Chakra, manchmal auch «Soul Star» oder «Seelenstern» genannt. Es befindet sich etwa 30 Zentimeter über dem Kopf – also ausserhalb des physischen Körpers.

Dieses Chakra erscheint hellsichtig zunächst als goldener Stern. Bei Menschen, die spirituell reifen, entwickelt es sich weiter – zu einer goldenen Perle, einer goldenen Knospe oder schliesslich einer goldenen Flamme. In der christlichen Tradition entspricht dies dem «Pfingstfeuer». Hier ist der Sitz der inkarnierten Seele.

Das 12. Chakra verbindet uns mit den höheren Ebenen des Bewusstseins und unserer seelischen Natur. Es zeigt: Das Pranic Healing System ist nicht nur für körperliche Themen gedacht, sondern begleitet uns auch auf dem spirituellen Weg.

Die «zusätzlichen» Chakren – eine praktische Erweiterung

Vier Chakren, die im klassischen 7er-System nicht explizit genannt werden, ermöglichen eine gezieltere energetische Arbeit:

Das Stirnchakra wird oft mit dem Ajna-Chakra verwechselt, ist aber ein eigenständiges Zentrum. Es beeinflusst das Nervensystem und ist relevant bei neurologischen Themen.

Das Milzchakra ist der Haupteintrittspunkt für Luftprana – jene Lebensenergie, die wir mit jedem Atemzug aufnehmen. Von hier wird das Prana an alle anderen Chakren verteilt. Wenn du dich erschöpft fühlst, kann dieses Chakra eine Schlüsselrolle spielen.

Das Meng-Mein-Chakra ist ein faszinierendes Energiezentrum im unteren Rücken. Es funktioniert wie eine Pumpe, die Energie vom Basischakra nach oben befördert. Dieses Chakra steuert direkt den Blutdruck und beeinflusst die Nieren sowie die Nebennieren.

Das Nabelchakra ist nicht identisch mit dem Solarplexus, auch wenn beide in der Bauchregion liegen. Es steuert den Darm und produziert eine besondere Form von Energie, die die Zirkulation von Prana im gesamten Körper unterstützt.

Natürlich gibt es auch noch viele weitere Chakren, welche in engem Zusammenhang mit dem Meridiansystem sind. Melde dich bei mir, wenn dich dies in der Tiefe interessiert.

Aus meiner eigenen Erfahrung

Das Wissen um die erweiterten Chakren hat mir persönlich schon oft gute Dienste geleistet. Ein Beispiel: Wenn ich mich erschöpft fühle – sei es nach einem langen Arbeitstag oder wenn ich einfach energetisch «leer» bin – mache ich eine kleine Übung mit dem Milzchakra.

Ich klopfe die Milzchakren (vorne und hinten) ganz sanft, um sie zu aktivieren. Dann zentriere ich mich, lege meine Aufmerksamkeit auf diese Energiezentren und atme bewusst frische, lichtvolle Energie ein. Ein bis zwei Minuten reichen meist aus – danach fühle ich mich spürbar erfrischt und klarer. Eine simple Technik, die mir zeigt: Dieses erweiterte Wissen ist nicht nur Theorie, sondern lässt sich ganz praktisch im Alltag anwenden.

Was bedeutet das für dich?

Wenn du bereits meditierst oder Yoga praktizierst, kennst du wahrscheinlich das 7-Chakra-System. Das ist wunderbar – denn dieses System bildet eine solide Grundlage für spirituelle Praxis und innere Entwicklung.

Die zusätzlichen Chakren im Pranic Healing sind keine «Korrektur» dieses Systems, sondern eine Erweiterung. Sie ermöglichen es, spezifischere körperliche und emotionale Themen gezielter zu adressieren und zu harmonisieren. Es ist wie bei einer Landkarte: Die 7 Chakren zeigen dir die Hauptstrassen, die erweiterten Chakren zeigen dir auch die Nebenstrassen und Verbindungswege.

Besonders wenn du dich für energetische Zusammenhänge interessierst oder bestimmte körperliche Bereiche besser verstehen möchtest, lohnt sich der erweiterte Blick. Die zusätzlichen Chakren sind wie zusätzliche Werkzeuge – sie erweitern deine Möglichkeiten, mit deiner eigenen Energie bewusster umzugehen.

Chakren und Meditation – eine natürliche Verbindung

In der Meditationspraxis spielen die Chakren eine zentrale Rolle. Die Chakraatmung beispielsweise nutzt bewusst diese Energiezentren: Du atmest Prana gezielt über bestimmte Chakren ein und lässt verbrauchte Energie wieder los. Mit dem erweiterten Wissen um 11 oder 12 Chakren kannst du diese Praxis noch verfeinern.

Die «Meditation über die zwei Herzen» nach Master Choa Kok Sui nutzt besonders das Herzchakra und das Kronenchakra – die «Zwillingsherzen». Diese Meditation aktiviert beide Zentren und verbindet dich mit segnender, heilsamer Energie. Ein sanfter Einstieg, auch wenn du noch nie meditiert hast.

Donnerstagabends biete ich in Obfelden die Möglichkeit, diese Meditation gemeinsam zu praktizieren. Wer mag, ist herzlich willkommen.

Hinweis: Pranic Healing ist eine komplementäre Methode und ersetzt keine medizinische Diagnose oder Behandlung. Die beschriebenen Chakren und ihre Funktionen basieren auf den Lehren von Master Choa Kok Sui und stellen kein Heilversprechen dar. Bei gesundheitlichen Beschwerden konsultiere bitte immer auch eine Ärztin oder einen Arzt.

Zum Weiterlesen

  • Master Choa Kok Sui: «Miracles Through Pranic Healing» (Institute for Inner Studies) – Das Grundlagenwerk, das erstmals die 11 Chakren systematisch beschreibt.

  • Master Choa Kok Sui: «The Chakras and Their Functions» (Institute for Inner Studies) – Vertiefendes Handbuch mit Details zu Farben und Funktionen jedes Chakras.

  • Master Choa Kok Sui: «Achieving Oneness with the Higher Soul» (Institute for Inner Studies) – Hier wird erstmals das 12. Chakra beschrieben.

  • Master Stephen Co & Dr. Eric Robins: «Your Hands Can Heal You» (Simon & Schuster) – Praxisnahe Einführung, auch für Anfänger geeignet.

  • Christopher Wallis (Hareesh): «Tantra Illuminated» (Mattamayura Press) – Für alle, die sich für die historischen Wurzeln der Chakra-Lehre interessieren.

 

Cornelia Ammon
Naturally Balanced – Raum für Klarheit & Harmonie

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